2007

Herzschlagfinale in tropischer Hitze

10.06.2007

Mit einem Wechselbad der Gefühle mussten sowohl die Veranstalter als auch alle Aktiven und Zuschauer der diesjährigen FANFANRONADE in Cottbus leben.

Das begann mit Temperaturen von 31 Grad, die bei der Eröffnung um 11:00 Uhr auf dem Wettkampfrasen herrschten und am Nachmittag noch auf 34 Grad stiegen, setzte sich über bislang noch nie derart spannende Marsch- und Showwettbewerbe der Pokal- und der Meisterklasse fort, und fand schließlich seinen Höhepunkt bei der Siegerehrung und damit der Verkündung der Ergebnisse.

In Anwesenheit des Präsidenten des Landessportbundes (LSB) Brandenburg, Hans-Dieter Fiebig und des Beigeordneten der Stadt Cottbus, Bernd Weiße, der den leider abwesenden Schirmherrn und Oberbürgemeister, Frank Szymanski vertrat, begrüßten rund 3 000 Zuschauer die zehn Vereine, die an der „17. Offenen Meisterschaft" und am „15. Pokalturnier" des Märkischen Turnerbundes für Naturtonfanfarenzüge an den Start gingen.

Der Pokalverteidiger aus Aschersleben und der Vorjahresmeister Strausberg waren selbstverständlich dabei und wurden von den mitgereisten Fans besonders stürmisch begrüßt.

Vereine sind enger zusammengerückt

Beim Marschwettbewerb, dem Wettkampfauftakt beider Klassen, wurde offenbar, dass sich das Leistungsniveau aller Vereine verdichtet hat. Denn noch nie gab es im Einzel und im Gesamtklassement derart knappe Abstände in der Bewertung.

In der Pokalklasse legte der zwar zahlenmäßig schwächste, aber leistungsseitig beeindruckende TSV Leipzig-Nordost überraschend 41,10 Punkte vor, die keiner der beiden folgenden Starter aus Mecklenburg-Vorpommern (39,95) und Aschersleben (39,45) überbieten konnte.

Das gelang dem Berliner Fanfarenzug zum Auftakt in der Meisterklasse nicht. Hier setzte sich in einem sehr kompakten Starterfeld der Vorjahresmeister sofort an die Spitze. Allerdings mit nur fünf Hundertstel Vorsprung vor dem Rivalen aus Potsdam. Wie eng es hier zuging bestätigt der Abstand zwischen dem Sieger und dem Vierten - exakt 1,7 Punkte.

Mit diesen Ergebnissen vom Vormittag war zum einen Diskussionsstoff für die Zuschauer gegeben, zum anderen Spannung pur beim Showwettbewerb am Nachmittag zu erwarten. Und diese Erwartungen erfüllten sich dann auch.

Ein Finale wie selten in den 17 Jahren

In der Pokalklasse eröffnete Vorjahrssieger Aschersleben den Reigen und gefiel mit seinem witzigen und teilweise spritzigen Auftritt. Die folgenden Leipziger schafften es nicht, den knappen Vorsprung aus dem Matschwettbewerb zu sichern, boten aber entsprechend ihrer geringeren Anzahl von Aktiven ein ansehenswertes Programm. Der Landesfanfarenzug Mecklenburg-Vorpommern wagte sich erstmals auf das Show-Parkett und konnte Zuschauer und Kampfrichter gleichermaßen überzeugen.

Dramatisch gestaltete sich die Show der besten Fanfarenzüge in Deutschland. Berlin setzte erste Akzente und überzeugte mit einer neuen Choreografie. Dresden zeigte sich gewohnt vielfältig - vielleicht etwas „zu verspielt" - und sicherte seinen knappen Vorsprung vom Vormittag gegenüber den Hauptstädtern.

Der Triumph-Marsch aus „Aida" leitete um 15:15 Uhr bei noch immer 34 Grad, aber aufziehenden Gewitterwolken die Show der Potsdamer ein und wirkte wie das Signal zum Angriff auf die Spitzenposition. Mit einer anspruchsvollen, exakt dargebotenen Choreografie und einem harmonischen Wechsel von Musik und Bewegung bei nahezu fehlerfreier Musikalität warfen sie den Fehdehandschuh, den die folgenden Strausberger aufnahmen. Eine zum Vorjahr um viele Facetten bereicherte Show, gepaart mit anspruchsvollen musikalischen Leistungen brachte dem Titelverteidiger nicht nur die unüberhörbare Zustimmung des Publikums, sondern auch eine Menge Punkte bei den Kampfrichtern. Aber reichte das um 15:55 Uhr aus, die Vorgabe der deutlich wiedererstarkten Potsdamer zu überbieten?

Souveräne Leistungen der Aktiven - aber auch der Kampfrichter

Die Siegerehrung wurde von allen im Stadion mit größter Spannung erwartet. Und als in der Showwertung Potsdam als Sieger verkündet wurde, bei den Mädchen und Jungen aus der Landeshauptstadt der Jubel kaum Grenzen kannte, gab es Tränen bei den Strausbergern. Denn für sie schien die Meisterschaftsverteidigung geplatzt.

Doch es kam ganz anders: Strausberg hatte nach dem Marschwettbewerb fünf Hundertstel Vorsprung vor Potsdam. Da Potsdam in der Show „nur" mit einem Hundertstel mehr den Sieg holte, reichten die verbleibenden vier Hundertstel doch noch für die Titelverteidigung. Die Tränen trockneten danach sehr schnell und das nahende Gewitter zog auch weiter.

Das internationale Kampfgericht unter Leitung von Thomas Heeger hat das mit der gewohnt souveränen und objektiven Arbeit und seiner Sach- und Fachkompetenz, die vor allem in der Wettkampfauswertung von den Vereinen anerkannt wurde, überzeugend bestätigt. Nun richten sich die Blicke auf den 7. Juni 2008, wenn die FANFARONADE gemeinsam mit der Landesmeisterschaft der Turnermusiker aus Brandenburg und Berlin im Stadion des FC Energie Cottbus zur Austragung kommt.

Text: Bernd Schenke 

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