"One World Adjudication System"

Seit 2011 wird auf der Fanfaronade nach dem "One World Adjudication System" gewertet. Dieses System dient bereits weltweit auf vielen Musikleistungsvergleichen als Grundlage für die Wertung. Unter anderem wird es auf den Weltmeisterschaften der WMC in Kerkrade, den Weltmeisterschaften der WAMSB und in Deutschland unter anderem bei den "European Open Championship" der Rasteder Musiktage und den "Offiziellen Deutschen Meisterschaften" der BDMV angewendet.

Auszug aus dem

"One World Adjudication System"

Die Philosophie des weltweit einheitlichen Wertungssystems

Das System ist gedacht für die Bewertung aller Formen, Stilrichtungen und Arten von Marsch- und Showbands oder Corps bei Meisterschaften, Wettbewerben und Festivals weltweit. Das System ist entworfen worden, um Musikgruppen universell und einheitlich zu bewerten, was auf einer international festgelegten Skala erfolgen soll. "Universell geforderte Fähigkeiten", wie sie von jeder ausführenden Gruppe gezeigt werden, bestimmen, wie das jeweilige Ensemble auf der festgelegten Bewertungsskala einzuordnen ist.

Hier geht es zu den Grundlagen des Bewertungssystems


Jeder Verein ist „reif“ für One World !

In der Fanfaronade steht ein Wechsel des Wertungssystems an, nicht zuletzt zeigt diese Internet-Plattform die Grundgedanken der Veränderungen auf. Da ist es allzu verständlich, dass in Vereinen gefragt wird: Sind wir „reif“ für dieses System? Überfordert es uns? Genau aus diesem Grund wollen wir mit einigen Bemerkungen mehr Licht ins Dunkel bringen.

Bislang ein mathematisches System

Das bislang für Turnermusiker angewandte Wertungssystem unterteilt den Vortrag der Startenden in messbare Einzelheiten und so setzten sich die Wertungsgerichte zusammen. In den Wertungen der Melodie- und Rhythmusinstrumente wurden jede Note und jeder Takt, jedes Wiederholungszeichen und jedes sonstige Merkmal der Partituren per Ohr und Auge kontrolliert. Das Ohr hörte den Vortrag, das Auge fuhr jede Notenzeile ab und der Stift in der Hand strichelte jede Abweichung vom Vorgegebenen.

Ähnlich wurde in den technischen Wertungen einschließlich der Choreografie vorgegangen: Ist für den Wertungsrichter das auf Papier gebrachte Bild auf dem Feld exakt wiedererkennbar? Die Fragen von Vordermann, Seitenrichtung, Reaktion auf den Stab und die anderen Dinge sind ähnlich nachvollziehbar. In der Summe lag damit ein mathematisches Messinstrument vor, das von einem vorgegebenen Punktwert jeden Fehler abzog.

In der Zusammenrechnung ergaben die geringsten Fehler die besten Platzierungen. Der Einfachheit halber nennen wir diese Form das „mathematische System“.

Erfahrungen mit anderem System

Was macht das „One World Adjudication System“? Henk Smit und Paul Doop (beide Niederlande) legen in ihren Gedanken dem Juror nahe: Jeder startende Zug ist wie ein weißes Blatt Papier. Egal an welcher Bewertungsposition der Juror eingesetzt wird, greift er nicht zuallererst zu den Noten oder zu der auf Papier gebrachten Choreografie. Er lässt den Vortrag auf sich wirken und kommentiert das Erlebte in das Diktiergerät. Die Papierversionen werden lediglich herangezogen, um sich an dieser oder jener Stelle zu vergewissern. Einige Vereine haben bereits Erfahrung mit Wertungen, die ihnen auf Kassetten gesprochen wurden. Sie vertreten den Standpunkt: „Wir wurden fair und fachlich brauchbarer eingeschätzt.“

Jeder Wertungsrichter nimmt den Gesamteindruck zur Grundlage und besieht sein Fachgebiet nicht losgelöst vom Ganzen. Hinweise für Verbesserungen werden an der Stelle des Wertungsvortrages genannt, wo Schwächen erkannt werden. Aber auch Gelungenes wird sofort artikuliert - und das unabhängig vom Wertungsgegenstand. Am Ende werden die Worturteile als fruchtbringender angesehen als das bisherige System.

Wer an die Fanfaronaden der letzten Jahre zurückdenkt weiß, dass auch dort seit Längerem Wertungsrichter mit Diktiergeräten vertreten waren. Sie wurden zur Bewertung der Choreografie und des künstlerischen Gesamteindrucks eingesetzt. Insofern liegen selbst hier schon erste verallgemeinerbare Erfahrungen für einen Teil der Vereine vor.

Integratives System

Grundanliegen des „One World Adjudication System“ ist die Bewertung des Gesamteindrucks eines Vortrages. Der Juror benutzt einen vorher definierten Katalog von Inhalten für sein Gebiet und nutzt qualitative Zuschreibungen für sein Urteil. So wird in der musikalischen Wertung auf das Verhalten der verschiedenen Stimmen eingegangen, aber beispielsweise nicht vermerkt: „Takt 22, 3. Note nicht kurz genug, die anschließende Triole nicht deutlich artikuliert.“

Das, was das „One World System“ leisten kann, ist eine Übersicht herzustellen ganz in dem Sinne: Wie wirkt der Vortrag auf das Publikum? Was halten die Zuschauer von dem Erlebten? Stimmen Musik und Vortragsart (Marsch, Show) überein? Smit und Doop sehen die Wertungsrichter als einen Teil des Publikums, ausgestattet mit einem bestimmten Vorwissen. Damit arbeiten sie auch heraus, ob der Verein sein Können gut umsetzt oder über bzw. unter seinen Möglichkeiten arbeitet. Zur besseren Verständlichkeit wollen wir das neue als ein „integratives System“ benennen.

Das bedeutet beispielsweise, dass die Juroren für Musik nicht nur Rhythmus, Dynamik, Tempo usw. bewerten, sondern auch, wie die Schwierigkeit der Musik in Einklang steht mit dem Ausbildungsstand der Musiker. Diese Fragen konnte das vorhergehende mathematische System nicht beantworten. Das hatte die Fertigkeit der Musiker gemessen, eine vorgegebene Komposition möglichst notengerecht fehlerfrei umzusetzen.

Tatsachen sind entscheidend

Wenn nach dem „One World Adjudication System“ die Jury als ein Teil des Publikums begriffen wird, steigt die Wertigkeit des Publikums insgesamt. Schließlich wird in der Bewertung auch darauf eingegangen, wie unter anderem in der Show das Publikum auf bestimmte Elemente reagiert. Da ist es im weitesten Sinne unerheblich, ob Figuren auf dem Platz von der Darstellung in der Choreografie abweichen. Schon allein wenn kleinere und größere Spieler miteinander auf dem Platz gleiche Bewegungen ausführen, kommt es zu unterschiedlichen Effekten. Entweder vergrößern bzw. verkleinern sich Abstände von Position zu Position oder ein bestimmtes Schrittmaß überfordert die einen oder unterfordert die anderen. Insofern wird eine Wertung abwägen und Hinweise geben, aber nicht scharfrichten.

Was bleibt festzuhalten?

Kein Verein ist gefordert, sich in Frage zu stellen oder an sich zu verzweifeln. Mehr noch als bisher bietet das „One World Adjudication System“ die Möglichkeit des direkten Vergleichs und der realen Wiedergabe von Tatsachen. Jedes Anspruchsniveau wird gleich behandelt. Mit dem Start des Wettbewerbs hat jeder Verein null Punkte und erarbeitet sich seine Wertung. Im mathematischen System steht eine vorgegebene Punktzahl fest, von der Fehlerpunkte abgezogen werden. Während hierbei am Ende die Aussage hieß: „So viele Punkte mussten wir abziehen, an diesen und jenen Tatsachen haben wir bestraft.“, soll die Hauptaussage im „One World Adjudication System“ sein: „Das haben wir bemerkt, so hoch ist euer Vermögen, das haben wir mit unserer Wertung honoriert.“

Herbert Großmann, Berlin

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