Foto: Alexander Schreiber

Erläuterungen zum Marschwettbewerb

auf der Grundlage der Erläuterungen der Juroren Henk Smit und Paul Doop
Stand: Februar 2013

Weltweit hat sich im Marschwettbewerb ein System durchgesetzt, das auf der Idee basiert zu zeigen, was jeder auf der Straße musizierende Musikverein als Grundlage beherrschen sollte. Hier geht es um die Fähigkeit, in der Bewegung zu spielen, gerade auslaufen zu können und Kurven zu beherrschen (links- wie rechts herum) und das Ganze unter Beachtung der Beibehaltung der Formation. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Im Grunde wie ein oft im Auftrittsjahr eines Vereins vorkommender Fest- oder Laternenumzug.

Um das optisch (besonders auch für das Publikum) nachvollziehbar zu gestalten, besteht das Marschwettbewerbsfeld aus vier Häusern mit Straßen, auf denen der Musikzug marschiert. Dabei ist die Breite der „Straße“ mit 9,14 Metern genau vorgeschrieben.

Die Aufstellung des Vereins erfolgt an der Startlinie, wobei der Stabführer/Dirigent auf der Startlinie steht.

Für Starter in der „1. Division“ und Starter in der „Offenen Klasse Marsch“ ist die Startlinie 13,80 m von der Mittellinie entfernt festgelegt:

Marschwettbewerb "1. Division" und "Offene Klasse Marsch"
Grafik: Alexander Lindt, Potsdam

Für Starter in der „2. Division“ ist die Verlängerung der Giebelseiten der Häuser (Yardlinie 20) als Startlinie festgeschrieben:

Marschwettbewerb 2. Division
Grafik: Alexander Lindt, Potsdam

Waren wir es bisher gewöhnt, dass jeder Ton und jede Bewegung im Marschwettbewerb exakt vorgeschrieben waren, wird den Startern in diesem System weit mehr Freiheit und die Möglichkeit zur eigenen Kreativität gegeben.

Es geht darum, den Wertungsrichtern und dem Publikum zu zeigen, wie man sich auf der Straße präsentiert, sowohl in der Technik als auch in der Musik. Diese Form des Marschwettbewerbes ist weit besser den „Realitäten des echten Lebens“ angepasst als die bisher verwendeten Formen.

Der Bereich des „Konzerts“ oder der „Standmusik“ wird hier völlig vernachlässigt, weil die „Erfinder“ des Systems davon ausgehen, dass einen Titel im Stand zu spielen für die Vereine keine Hürde darstellen dürfte und dieser Bereich von den Zuschauern in einem Stadion-Wettkampf als nicht unbedingt interessant empfunden wird.

Marschwettbewerb bedeutet nicht, ausschließlich Marschmusik spielen zu müssen. Auch hier sind keine Grenzen gesetzt, weder vom Stil, noch vom Tempo, noch vom Charakter der Musik. Hier kommt es ab sofort auf jeden Zug selbst an.

Zu beachten ist jedoch unbedingt: die vorrangigen Wertungen des Marschwettbewerbes beziehen sich auf

  • Körperhaltung und Schrittlänge
  • Seitenrichtung und Vordermann in der Vorwärtsbewegung sowie der Abstand zwischen den einzelnen Bandmitgliedern
  • Ausführung der vorgegebenen Figuren (Rechts- und Linksschwenkungen und Counter-Märsche)
  • Präsentation, Disziplin und allgemeiner Eindruck.

Zwingende Festlegungen

  • Die komplette Marschstrecke muss zwingend mit allen vorgegebenen Elementen absolviert werden. Wir denken, dass diese Festlegung nicht weiter erläutert werden muss, man hört ja auch nicht bei einem Auftritt mitten im Festumzug auf oder läuft einfach eine andere Straße entlang…

  • Jeder teilnehmende Zug kann sich die Formation, in der er läuft, selbst aussuchen. Das kann beispielsweise in einer Marschformation mit drei, vier oder auch sechs Reihen erfolgen. Dabei ist auch nicht vorgegeben, welche Instrumentengruppen vorn, in der Mitte oder hinten laufen. Zwingend ist jedoch, dass der Verein die Formation, mit der er den Wertungsdurchgang beginnt (also die Anzahl der Reihen) über den gesamten Zeitraum des Marschwettbewerbes beibehält. Das bedeutet: Startet der Fanfarenzug mit einer Marschformation in vier Reihen muss diese über den gesamten Parcour beibehalten werden. Er darf unterwegs also nicht (zum Beispiel) die Formation auf sechs Reihen erhöhen.

  • Zwingend ist auch: Der Verein darf die Breite der Straße (9,14 m) nicht überschreiten. Im „echten“ Auftritt würde er ja dann gegen eine Häuserwand laufen ......     Gerade im Bereich des „Counter-Marsches“ der 1. Division/Offene Klasse Marsch (damit ist der Richtungswechsel um 180 Grad gemeint) besteht die Gefahr, die Begrenzungslinien zu überschreiten. Es erfolgt „Punktabzug“ durch die Wertungsrichter beim Überschreiten der Begrenzungslinien.

  • Eine vierte zwingende Festlegung ist, immer mindestens ein Spieler des Zuges (nicht der Stabführer) muss sich nach vorn in Laufrichtung bewegen! Also: Der Zug darf niemals komplett auf der Stelle marschieren oder in seiner Gesamtheit stehen bleiben. Es muss zwingend immer eine Vorwärtsbewegung auf der Strecke erfolgen, und sei es auch nur durch einen Spieler! Das ist sehr gut nachvollziehbar am Beispiel der verschiedenen Schwenkungsformen (es gibt international mindestens fünf verschiedene Schwenkungsmöglichkeiten), mit denen man um die „Kurve“ kommen kann. Während der bei uns vorrangig ausgeführten „klassischen“ Halbkreisschwenkung laufen im Grunde alle Spieler nach vorn. Nur wenige in der Innenreihe treten auf der Stelle. In den anderen Schwenkungsformen treten fast alle Spieler auf der Stelle, bevor sie den Richtungswechsel vornehmen.

Wer sich entscheidet, eine andere Form der Schwenkung vorzuführen, sollte jedoch bedenken, dass die Wertungsrichter es zwar honorieren, wenn verschiedene Formen von Schwenkungen zu sehen sind, aber an erster Stelle steht das WIE des Vortrages, also in welcher Qualität die Schwenkungen ausgeführt werden.

 

Verstöße gegen diese zwingenden Festlegungen werden durch das Wertungsgericht wie folgt geahndet:

Strafpunkte für Regelverstöße im Marschwettbewerb

Mit einem Abzug von 1,0 Punkten werden pro Vergehen geahndet:

  • Unterbrechen der Vorwärtsbewegung (Anhalten oder Marschieren auf der Stelle),
  • Überschreiten der Begrenzungslinien,
  • Veränderung der Formation (Veränderung der Reihenanzahl) während des Wertungsvortrages,
  • falsch gewählte Laufstrecke,
  • falsche Elemente (z. B. Halbkreislaufen statt Schwenkung),
  • Stabführer steht zu Beginn nicht auf der Startlinie.

Schwenkungen

Die Schwenkungen können in verschiedenen Versionen nach eigener Wahl ausgeführt werden. Nachfolgendes Videomaterial zeigt verschiedene Möglichkeiten.

Normale Halbkreisschwenkung, hier durch den Fanfarenzug des KSC Strausberg e.V. ausgeführt:

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Darstellung der Ausführung der "Halbkreisschwenkung"
Quelle: WMC Foundation Kerkrade

Auf folgendem Video ist die Show- and Marchingband K&G Leiden beim Marschvortrag der Weltmeisterschaft in Kerkrade zu sehen. Sie führen in ihrem Vortrag erstaunliche 5 (fünf!!) verschiedene Versionen einer Schwenkung vor:

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Beispiele für die Ausführung weitere Schwenkungsformen (Quelle: WMC Foundation Kerkrade):

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Counter-Marsch 1.Division und Offene Klasse Marsch

Der Counter-Marsch (früher bei uns als "Durchziehen" betitelt) dient der Richtungsänderung um 180 Grad (die Straße ist wegen Bauarbeiten gesperrt und es geht dadurch nicht weiter...). Der Counter-Marsch kann in der englischen oder amerikanischen Version ausgeführt werden.

Countermärsche FANFARONADE

Beispiel für die englische Version des Counter-Marsches, hier vorgeführt durch den Fanfarenzug des KSC Strausberg e.V.:

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Im folgenden Film ist die amerikanische Version des Counter-Marsches zu sehen, ausgeführt durch die SG Fanfarenzug Potsdam e.V. in seinem Marschvortrag zur Weltmeisterschaft der WAMSB 2010 in Potsdam. In diesem Vortrag zeigt der Fz Potsdam auch zwei verschiedene Möglichkeiten der Schwenkung.

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Im folgenden Video ist der Marschvortrag des Fanfarenzug des KSC Strausberg e.V. zur Weltmeisterschaft der WAMSB 2010 in Potsdam zu sehen.

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Die beiden Vorträge der Fanfarenzüge aus Potsdam und Strausberg verdeutlichen sehr gut, welche verschiedenen Möglichkeiten die Musikauswahl bietet, von "normaler" Marschmusik bis hin zu Solotiteln und Schrittwechselkombinationen.

Die hier gezeigten Videos von der WM in Potsdam entsprechen dem Marschwettbewerb der FANFARONADE (nur seitenverkehrt mit verändertem Abmarsch). Ausnahme: der Aufmarsch zur Startlinie darf zur FANFARONADE nicht mit eigener Musik erfolgen. Hier darf es nur einen Fünferschlag eines Trommlers/Trommlerin geben. Hingegen muss der Zug das Stadion nach dem Wertungsdurchgang spielend verlassen. Es empfiehlt sich (da jedes Stadion anders gebaut ist, und nicht jeder Ausgang geöffnet sein könnte) vorher darüber zu entscheiden, welche Titelabfolge zum Ausmarsch verwendet wird.

Die Stabführung ist freigegeben. Das bedeutet zum Beispiel,  Richtungswechsel müssen nicht zwingend angezeigt werden.

Das Ausrichten (nach dem Aufmarsch an die Startlinie) vor dem Start ist erlaubt.

Beispiele für den Marschwettbewerb in der 1.Division und der "Offenen Klasse Marsch" von der Fanfaronade 2012:

Beispiel für den Marschwettbewerb in der 2.Division von der Fanfaronade 2012:


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Videos von den Musikschauen der Spielleute des DTSB der DDR zu den Turn- und Sportfesten in Leipzig 1969 bis 1987